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Saarbrücken
20 Tonnen Zigaretten für England: Chef von Schmuggler-Bande verurteilt
18:32, 6. Dezember 2016
Das Landgericht hat einen Polen (48) wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe verurteilt. Er gilt als der Kopf einer Bande, die rund 20 Tonnen Zigaretten von Luxemburg via Saarland nach Großbritannien geschmuggelt haben soll.
Die Statue Justitia ist im Amtsgericht in Hannover zu sehen. (Symbolbild)
Das Saarland war in den Jahren 2012 bis 2016 offenbar eine der Drehscheiben des Zigarettenschmuggels in der Region. Das wurde vor dem Landgericht Saarbrücken im Strafprozess gegen einen 48 Jahre alten Polen deutlich. Der voll geständige Angeklagte wurde wegen Zigarettenschmuggels im großen Stil und Steuerhinterziehung in Höhe von mehr als einer Millionen Euro zu vier Jahren Gefängnis verurteilt.

Der 48-Jährige war in seinem Heimatland als junger Mann in den 90er Jahren wegen Diebstahls mit Gewalt, Falschgeld und der Beteiligung an organisierter Kriminalität aufgefallen. Seit 1998 lebt er mit Frau und Kindern in London. Außerdem hat er im Saarland weit verzweigte familiäre Bezugspunkte. Diese grenzüberschreitenden persönlichen Verbindungen nutzte er aus, um den Zigarettenschmuggel aufzuziehen. Das Ganze wurde durch die starken Unterschiede bei der Höhe der Tabaksteuer in den verschiedenen EU-Ländern besonders lukrativ. Dazu hieß es am Rande des Prozesses: Diese Steuerunterschiede führen dazu, dass ein Päckchen Tabak einer britischen Marke in Luxemburg an der Tankstelle für rund vier Euro zu kaufen ist, während man in Großbritannien dafür im Laden 17 bis 18 Euro hinlegen muss.

Unter dem Strich – bei Berücksichtigung aller Kosten – ließen sich demnach beim Zigarettenschmuggel und Schwarzhandel angeblich fast zehn Euro pro Tabakpäckchen verdienen. Aber mit solchen kleinen Mengen begnügte sich die Schmugglerbande nicht. Zwischen 2012 und 2016 wurden laut Anklageschrift insgesamt rund 20 Tonnen Zigaretten, also rund 500 000 Päckchen mit jeweils 40 Gramm Tabak, günstig in Luxemburg eingekauft, ins Saarland gebracht und hier in Pakete verpackt. Die wurden anschließend zu verschiedenen Paketshops gebracht und von dort aus nach England geschickt. Dort wurde ausgepackt und die einzelnen Tabakpäckchen kamen auf den Schwarzmark. Die einfachen Arbeiten machten in Regel Männer aus Polen, die der Angeklagte dort angeworben hatte. Sie wohnten zeitweise im Saarland und waren quasi die Arbeiter der untersten Ebene in der Bande. Weiter oben in der Hierarchie folgten Familienangehörige des Angeklagten. Und ganz oben stand der 48-jährige Pole.

Die Ermittler waren ihm durch einen Zufall auf die Spur gekommen. Eine Frau hatte sich bei der Polizei gemeldet, weil sie sich durch Mitglieder des Familienclans bedroht fühlte. Sie berichtete von dem angeblichen Schmugglerring, woraufhin die Polizei ihre Netze auswarf. Im Januar 2016 konnte schließlich ein Transporter mit 196 Kilo Tabak aus Luxemburg in Saarlouis sichergestellt werden. Die Bande war aufgeflogen. In der Folgezeit wurden fünf Bandenmitglieder der verschiedenen Ebenen, unter ihnen ein Sohn des Angeklagten,  zu Strafen zwischen einem und drei Jahren Haft verurteilt. Als vorerst letzter Angeklagter stand nun der Bandenchef vor Gericht. Er räumte sämtliche Vorwürfe über seinen Verteidiger ein. Außerdem segnete er ab, dass seine zwei Autos – ein Ford Mustang Oldtimer aus den 60er Jahren und ein großes Mercedes Coupé – zu Gunsten der Staatskasse versteigert wurden. Seine letzten Worte vor Verkündung des Urteils: „Ich möchte das hohe Gericht um Entschuldigung bitten.“
 




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