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Saarbrücken
Onkel gesteht sexuellen Missbrauch seiner sieben Monate alten Nichte
14:53, 13. Dezember 2016
Zweiter Tag im Missbrauchsprozess gegen einen Saarländer: Der Mann gibt zu, dass er seine kleine Nichte sexuell missbraucht und gefilmt hat. Die Mutter des Kindes leidet bis heute unter den Folgen der Taten. Dem Mädchen geht es aber wohl gut.
Die Statue Justitia ist im Amtsgericht in Hannover zu sehen. (Symbolbild)

Ein 34-jähriger Saarländer hat vor dem Landgericht betont, dass er kein sexuelles Interesse an Kindern habe. Er habe zwar seine kleine Nichte ab dem Alter von etwa sieben Monaten mehrfach unbekleidet fotografiert, sie berührt und sich von ihr berühren lassen. Aber dabei sei er nicht sexuell erregt gewesen. Die Taten hätten sich vielmehr so ergeben, wenn er das Kind ins Bett brachte oder die Windeln wechselte. Davon habe er dann Bilder oder Videos mit dem Handy gemacht. „Das habe ich ja immer dabei.“ Und die Dateien habe er via Internet an homosexuelle und pädophile Männer geschickt. Diese Männer hätten ihn sexuell interessiert – nicht das kleine Mädchen, so der Angeklagte. 

Die Taten ereigneten sich allesamt im direkten familiären Bereich, wenn das Kind mit seinem Onkel alleine war. Meistens, so der Angeklagte, seien Teile der Familie sogar ganz in der Nähe gewesen. Vielleicht in einem anderen Raum, vielleicht eine Etage tiefer. Und warum hätten sie stören sollen, wenn der Onkel das Baby ins Bett bringt oder wickelt? Hier ging es um das Grundvertrauen der Menschen in ihre Familie. Und dieses Vertrauen ist nach den Worten der Mutter des Kindes jetzt erschüttert. Bild und Stimme der Frau wurden per Videovernehmung in den Gerichtssaal übertragen. Eine direkte Konfrontation mit dem Angeklagten und den Taten ist ihr aus gesundheitlichen Gründen nicht zumutbar.

Die Schwester des Angeklagten berichtete, wie sie nach Bekanntwerden der Vorwürfe mit dem Kind beim Arzt gewesen seien. Aber der Mediziner habe zum Glück keine Verletzungen oder sexuell bedingte Infektionen festgestellt. Dann waren die Mutter und der Vater – ohne das Kind – beim Kinderpsychologen. Der kam zu dem Ergebnis, dass eine Behandlung der Kleinen wohl nicht sinnvoll sei. Sie würde sich an die sexuellen Übergriffe wohl nicht erinnern oder sie vergessen. Aber man wisse das nicht so genau. Die Eltern sollten sie deshalb im Auge behalten. Und das tun die Eltern auch. Jeden Tag fragen sie sich, ob ein bestimmtes Verhalten des Mädchens in diesem Alter normal ist oder Folge des Missbrauchs. Mit Argusaugen wachen sie Stunde für Stunde über das Kind, wohlwissend, dass dies nicht wirklich sinnvoll sein kann.


Darüber redet die Mutter mit ihrem Therapeuten. Und auch über die ständigen Selbstzweifel und die Fragen, die zur Zermürbung der Familie beitragen: Haben wir etwas falsch gemacht? haben wir nicht richtig aufgepasst? Hätten wir etwas merken müssen? Und dann ist da noch die ständige Angst um das Kind. Oder mit den ganz leisen Worten der Frau, die leicht verzerrt aus dem Lautsprecher des Monitors im Sitzungssaal kamen: „Es ist sehr, sehr schwer, sie in den Kindergarten zu bringen und zu gehen. Sie fremden Menschen zu überlassen.“ Der Prozess wird fortgesetzt.  

Artikel zu Tag eins des Prozesses: http://www.saarbruecker-zeitung.de/sz-spezial/recht/aktuell-vermischtes/art262743,6312269
 




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